Günter Grzega: Finanz- und Geldwirtschaft ohne Wachstum

Samstag 25.1.2020

Günter Grzega: Finanz- und Geldwirtschaft ohne Wachstum

Welche Regeln benötigt die Finanzindustrie?

(PPP zur Finanzwirtschaft von Günter Grzega)

Was ist Geld? – Funktionen/Eigenschaften von Geld

  1. Allgemeines Tauschmittel zum Tausch gegen Waren
  2. Zahlungsmittel zum Zurückzahlen von Schulden – Auflösung von Schuldverhältnissen
  3. Wertaufbewahrungsmittel
  4. Allgemeine Recheneinheit zur Bewertung von Gütern und Dienstleistungen

Warum akzeptieren wir Geld?

  1. Weil es durch den Staat institutionalisiert ist, also ein Geschöpf des Rechts ist. Der Ökonom und Geldtheoretiker Georg Friedrich Knapp nannte es in seiner Veröffentlichung von 1905 deshalb Chartalismus (= Rechtsakt)
  2. Weil der Staat alle BürgerInnen zwingt, die eigens eingeführte Währung als Zahlungsmittel zu akzeptieren, indem er alle Zahlungen, z. B. Steuern, nur in der von ihm festgelegten Währung akzeptiert.

Und wir sind alle Geld-Fachleute – oder?

Ganz klar – Sparen lohnt sich!!!! Und ganz klar – man kann als Privathaushalt oder Unternehmen nicht mehr Geld ausgeben, als man einnimmt. Schulden darf man nur dann machen, wenn man sie auch zurückzahlen kann.
Stimmt diese Geld-Theorie auch für den Staat ? – Keineswegs!!!
Der Unterschied beim Geldwesen zwischen dem Staat und den Privatsektoren „Haushalte und Unternehmen“ ist gewaltig. Und zwar so groß, als wenn vergleichsweise die Nationalmannschaft nur dann gewinnt, wenn sie keine Tore schießt und der Schiedsrichter ab und zu plötzlich selber mitspielt!
Zum Einstieg zum Verständnis des Geldwesens ein Vergleich:
Was hat die Recht-Schöpfung mit der Geldschöpfung zu tun?
Sehr viel – beide Systeme sind geistige Konstrukte, also intellektuelle Leistungen, die uns erst zu Menschen machen. Also keine natürlichen Ressourcen oder eine Natur-Dividende!

Und wie passiert Geld-Schöpfung?

Nicht anders als beim Recht – die Geldschöpfung erfolgt ebenso „aus dem Nichts“ und wird auf Grund rechtlicher Grundlagen von den Zentralbanken, dem Staat und den Banken und Sparkassen aus dem Nichts geschöpft. Dazu braucht es weder Gold noch sonst eine Naturalie, sondern klar sanktionierte Regeln für die Geldschöpfer!
Also reden wir über Geld:
Sparen ist gut – Schulden machen ist schlecht. Das weiß doch jeder – oder ?
Die Tatsachen:
Sparen ist nichts anderes als „Stilllegen von Kaufkraft“. Zinsen auf Sparguthaben gibt es nur, wenn andere Leute Schulden machen und dafür Zinsen zahlen! Unsere Sparguthaben sind die Verbindlichkeiten der Banken – also Schulden – die sie bei uns haben, nämlich unser Recht, dafür von der Bank Bargeld (also Staatsgeld der Notenbank) zu fordern. Hat jemand von Ihnen schon einmal die Forderung gehört, dass die Banken doch endlich ihre Schulden zurückzahlen sollen? Das wäre sicher In Ihren Augen Unsinn. Aber genauso ist die unreflektierte Forderung nach Rückzahlung der Staatsschulden Unsinn!
Schulden & Vermögen – Mehrheitsmeinung:
„Schulden sind negativ. Sparen/Vermögen ist positiv.“

Die Realität

Täglich zeigt die Weltbilanz als Ergebnis zwischen Schulden und Geld-Vermögen den Wert Null. Die Schulden des einen sind das Geld-Vermögen des Anderen.
Warum? – Unser weltweites Geldsystem ist ein Kreditgeldsystem
Achtung! Wenn jemand sagt, die Welt ist überschuldet, dann wissen Sie jetzt, dass dieser Mensch nichts vom Geldwesen versteht oder bewusst Falschaussagen macht! Spricht jemand über zu viel Schulden, muss er gleichzeitig von zuviel Vermögen reden. Es kommt nämlich stets und immer nur auf die Verteilung an! Wenn das Vermögen des einen Sektors, z. B. Private Haushalte, einer geschlossenen Volkswirtschaft – Private Haushalte, Unternehmen, Staat – die Schulden der anderen Sektoren sind, dann können bilanztechnisch niemals alle 3 Sektoren gleichzeitig sparen!
Der aktuelle reale Irrsinn in Deutschland
Alle 3 Sektoren der Volkswirtschaft in Deutschland sind derzeit Netto-Sparer.

Wie ist das möglich?????

Quelle: AMECO-Datenbank der Europäischen Kommission

Erkenntnis: Alle Sektoren der Volkswirtschaft in Deutschland sind Nettosparer – seit 2012 nahm das Ausland alle Schulden auf sich.
Ergibt die EU-Richtlinie der Schuldenobergrenze von 60 % zum BIP einen Sinn? – Nein!
Da dieses Verhältnis überhaupt keinen Einfluss auf real- und geldwirtschaftliche Gegebenheiten ausdrückt und auch wissenschaftlich nicht begründbar ist, ist es einfach eine willkürliche politische Zielsetzung (Durchschnitt der Euro-Länder-Verschuldung) bei Einführung des Euro und sonst nichts!

Soll ein Staat Schulden „abbauen“?

Da Staatsschulden die bilanzielle Gegenseite der Vermögen von Privathaushalten u. Unternehmen sind, ist ein Staatschuldenabbau in realen Zahlen nichts anderes als Vermögensvernichtung und langfristig ein wirtschaftlicher Niedergang bis hin zum Kollaps.
Bitte nicht verwechseln mit einem Staatsschuldenrückgang im Verhältnis zum BIP!
Wie kann man dann die Forderung nach einem Haushaltsüberschuss des Staates bewerten?
Prof. Dr. Heiner Flassbeck, ehemaliger Chef-Ökonom der UNO-Weltorganisation für Handel und Entwicklung – UNCTAD -gab die Antwort: „Der staatliche Haushalts-Überschuss ist – gesamtwirtschaftlich betrachtet – die sinnloseste Errungenschaft seit dem ‚Goldenen Kalb‘„

Kann ein Staat Pleite gehen?

Ein souveräner Staat mit einer eigenen Währung und einer eigenen Zentralbank kann als Schöpfer von Geld, das ja grundsätzlich nicht beschränkt ist, niemals Pleite gehen (siehe Beispiel Japan). Nur wenn sich ein Staat in fremder Währung verschuldet (siehe z. B. Argentinien) oder im großen Umfang ein Leistungsbilanz-Defizit aufweist (z. B. Entwicklungsländern, die Rohstoffe exportieren und fast alle Waren importieren müssen), ist das Risiko einer Pleite gegeben!

Was sind Staatsschulden, grundsätzlich betrachtet?

Staatsschulden eines souveränen Staates mit eigener Währung sind Schulden, die wir Bürgerinnen und Bürger uns selbst schulden. Dies bedeutet, dass diese Schulden gleichzeitig auch das Vermögen von uns Bürgerinnen und Bürger ist (Verteilung?) Das Wichtigste: Die Staatschulden sind ein unverzichtbares Steuerungselement.

Die Geldkreisläufe unserer Volkswirtschaft

Es gibt 2 Geldkreisläufe:

  1. Geldkreislauf durch Geldschöpfung der Zentralbanken durch Rechtsakte aus dem „Nichts“
  2. Geldkreislauf durch Giralgeldschöpfung per Bankkredit als Rechtsakte durch die Banken und Sparkassen – ebenfalls aus dem „Nichts“
    Geldschöpfung durch Zentralbanken

Zentralbanken können unbegrenzt Geld aus dem Nichts schöpfen und auch wieder vernichten. Eine Zentralbank-Pleite ist nicht möglich!

  • Zentralbank-Geld
  • Banknoten
  • Zentralbank-Giralgeld für den Geldkreislauf der Banken und Sparkassen und dem Staat = Reserven

Grundaufgaben der Zentralbank-Tätigkeit

  1. Bargeld-Versorgung der Banken/Spark.
  2. Überwachung der Mindestreservepflicht der Banken/Sparkassen
  3. Versorgung des Bankensystems mit „Reserven“ zur Gewährleistung des Zahlungsausgleichs im Überweisungsverkehr der Banken/Spark.
  4. Sicherung der Währungsstabilität und Zinssteuerung zur Wirtschaftstabilität

Sicherung der Währungsstabilität und Zinssteuerung durch die EZB

  1. Währungsstabilität:
    • Verhinderung von Währungsspekulationen = Griechenland-Krise lockte Währungsspekulanten – Wetten gegen einzelne Euro-Länder-Staats-Anleihen mit Gefahr der Zerstörung von Euro-Land
    • Draghis Anwort am 26.07.2012 in London: „Whatever it takes“ beendet die Spekulationen schlagartig!
  2. Zinssteuerung:

Ab 2015 Verhinderung einer tiefen Wirtschaftskrise in Euro-Land durch die EZB mittels massiver Zinssenkungen im Bankenbereich und im Staats-Anleihen-Bereich durch massiven monatlichen Ankauf von Staatsanleihen, was als QE-Geschäfte (quantitativ easing), also „quantitative Lockerung“ bezeichnet wird.

Wachstumstreiber Zinsen – ein Mythos?

Zinsen werden durch die Steuerungsmaßnahmen der Zentralbank bestimmt, und zwar zur Vermeidung von „Überhitzung“ oder „Rezession“) Das Zinsniveau wird also letztlich von der gesamtvolkswirtschaftlichen Entwicklung bestimmt und nicht das Wirtschaftswachstum von den Zinsen. Die aktuelle Niedrigzinsphase ist der Beweis
Fazit
Aktuell geraten wir durch neoliberale weltweite Vermögenskonzentrationen und eine immer schwächer werdende Massenkaufkraft in eine Deflationsspirale. Es gibt keine Schuldenkrise sondern eine Vermögens-Verteilungskrise Wird diese nicht gestoppt, wird es zu einer großen Welt-Finanzkrise kommen.

Warum benötigen Banken Reserven (Zentralbank-Buchgeld)?

  1. Um bei Bedarf bei der Zentralbank die Reserven in Bargeld zu tauschen.
  2. Um die Mindestreserve-Verpflichtung (in Abhängigkeit mit den Kundeneinlagen) einzuhalten
  3. Der wichtigste und entscheidende Grund: Um den Zahlungsausgleich im Überweisungsverkehr mit anderen Banken zu gewährleisten!

Geldkreislauf der Giralgeld-Schöpfung durch Banken

Mit jedem Bankkredit wird also neues Giralgeld aus dem Nichts geschaffen und mit Rückzahlung des Kredits wieder vernichtet. Spargelder werden dafür nicht benötigt oder verwendet! Die Bank/Sparkasse kann in der Regel aber nur neues Giralgeld schöpfen, wenn ein Kreditnachfrager auftritt. Also sind letztlich die Kreditnachfrager die Schöpfer von Giralgeld!

Giralgeld-Schöpfung durch den Staat

Neben den Banken erzeugt der Staat durch Zahlungen für Lieferungen und Leistungen des privaten Sektors Giralgeld. Vorgang: Der Staat (Finanzministerium) erteilt den Auftrag, Zahlungen von seinem Reserven-Konto bei der Bundesbank an die Banken seiner Gläubiger zu leisten und diese erzeugen im gleichen Umfang Gutschriften in Giralgeld auf den Gläubiger-Konten. Die Bundesbank bestätigt die Giralgeld-

Schöpfung aus dem Nichts

Begleitmaterial der Bundesbank zum Schülerbuch „Geld und Politik“:
„Tatsächlich wird bei der Kreditvergabe durch eine Bank stets zusätzliches Buchgeld geschaffen. Die weitverbreitete Vorstellung, dass eine Bank auch altes, schon früher geschöpftes Buchgeld, z. B. Spareinlagen, weiterreichen könne, trifft nicht zu.“

Aber es gibt doch auch anderes Geld, z. B. die Bitcoins?

Jeder kann u. darf „eigenes Geld“ schaffen z. B. Regionalgeld wie der „Chiemgauer“ oder Internetgeld, wie die Bitcoins. Dieses Geld als Zahlung von Verpflichtungen zu verwenden, benötigt aber immer die Zustimmung der jeweiligen Gläubiger/Geschäftspartner. Der Staat nimmt aber solche Gelder nicht an. Es ist Privat- oder Spielgeld!

Was wäre wenn die Banken kein neues Giralgeld schöpfen dürften?

Wenn nur mehr die vorhandenen Gelder, z. B. Sparguthaben, als Kredite vergeben werden dürften, gäbe es kein Wirtschafts-Wachstum, sowohl für positive aber auch für negative Entwicklungen. (siehe „Inselbeispiel“ im Buch „Der Wachstumszwang“ v. Mathias Binswanger, Seite 101 bis 105).

Problemlösung durch ein Vollgeld-System?

Es kommt nicht auf das Geld-System an, sondern auf die richtigen Regeln! Es gibt weder ein grundsätzlich „böses Geld“ noch ein grundsätzliches „Gut-Geld“. Es liegt an uns Menschen und an den von uns geschaffenen Regeln!!!
Vorschläge zur Re-Regulierung der Finanzmärkte

  1. Sofortige Rückkehr zum Trennbanken-System
  2. Abschaffung von Boni- und Prämienzahlungen
  3. Verbot der Beteiligung von Geschäftsbanken/Sparkassen an Finanzmarkt-Unternehmen/Investmentbanken sowie Verbot der Vergabe von Bankkrediten, die durch Finanzmarktprodukte besichert werden sollen
  4. Verbot des Verkaufs von Kunden-Krediten (Forderungsverkauf) durch die Banken und Sparkassen
  5. Ersatz der Bonitätsbeurteilung mittels privater Rating-Agenturen durch die Finanzmarktaufsicht
  6. Abschaffung von Aktiengesellschaften als Bank

Grundsatzentscheidung zur Rechtsform von Banken und Sparkassen:
Nur noch zulassen als

  • Öffentlich-rechtliche Kreditinstitute/ Sparkassen
  • Staatliche Anstalten des öffentlichen Rechts
  • Kredit-Genossenschaften
  • Übergangsweise Bestandszulassung als Aktiengesellschaft mit Verpflichtung zum Gemeinwohl im Aktiengesetz/Satzung

Vorschläge zur Übernahme der direkten Staatsfinanzierung durch die Zentralbank

Entwickelte Volkswirtschaften können mit dem derzeitigen System „unabhängiger“ Zentralbanken nicht mehr sinnvoll gesteuert werden. Unser modernen Geldsysteme, die inzwischen von immer mehr Wissenschaftlern unter dem Schlagwort „MMT“ (Modern Monetary Theory = Theorie des modernen Geldsystems) empirisch unstreitig erläutert werden, beweist umfänglich die Sinnhaftigkeit einer direkten Staatsfinanzierung durch die Zentralbanken. Es bietet sich die Chance einer Wirtschaftsordnung ohne Wachstumszwang auf Kosten von Umwelt und Ressourcen.

Führt die Finanzwirtschaft zum „Wachstumszwang“ ? – Grundsätzlich Nein!!

Warum? Die Banken schöpfen nicht zuerst zusätzliches Geld, um dann Nachfrager zu finden
Sondern: Zuerst kommt die Nachfrage und dann folgt die Geldschöpfung!
Die größte Gefahr: Deregulierte und unkontrolliert wachsende Finanz-Konzerne

Nicht ein sinnvolles Wachstum der Finanzwirtschaft gefährdet die Zukunft unserer Gesellschaft, sondern ein krebsartig wucherndes Wachstum einer deregulierten Finanzkonzern-Industrie!

Die größten drei „Vermögensverwalter“ (Asset-Manager) der Welt verwalten:

  • BlackRock: 6,85 Billionen Dollar
  • Vanguard: 5,6 Billionen Dollar
  • State Street: 2,51 Billionen Dollar

Gesamt: rd 15 Billionen Dollar, also umgerechnet rd 2000 Dollar pro Kopf der Welt-Bevölkerung
(Quelle: „Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen“ v. J. Berger)

Diese drei global agierenden Finanz-Konzerne – auch Schatten-Banken genannt – beherrschen durch entsprechenden Aktienanteile inzwischen fast alle bedeutenden Unternehmen dieser Welt. In Deutschland sind sie an allen 30 Dax-Unternehmen beteiligt und treffen die wichtigen Entscheidungen. Weder die Unternehmens-Manager noch die PolitikerInnen entscheiden, sondern die Bosse dieser gigantischen Schatten-Banken, z. B. Larry Fink von BlackRock.
Die Demokratie ist in der Welt-Wirtschaft aktuell nicht mehr gegeben und muss neu erobert werden!

Die wichtigste Voraussetzung für eine zukunftsfähige Finanz-/ Gesamtwirtschaft ohne Wachstumszwang

DIE GEMEINWOHL-ÖKONOMIE

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein umfassendes Wirtschaftsmodell, entwickelt von Unternehmerinnen und Unternehmern, das unsere Wirtschaft und Gesellschaft zu einer gemeinwohlorientierten ökosozialen Marktwirtschaft entwickeln kann! Wir leben nämlich derzeit in einer Oligarchie-Gesellschaft – einer Herrschaft der Wenigen! Die Gemeinwohl-Ökonomie wäre die Verwirklichung von echter Marktwirtschaft, die im Neoliberalismus zerstört wurde! (siehe Info-Blatt)

WAS FORDERT DIE GWÖ?

Alles Handeln, egal ob von Unternehmen, Gemeinden, Politik oder als privater Mensch muss folgende Grundsätze erfüllen:

  1. Dient es den Menschen ?
  2. Dient es der Umwelt ?
  3. Dient es dem Frieden ?

WACHSTUM UND GWÖ?

Das Dogma „Wachstum“ steckt in unseren Köpfen. Aber welche Fragen müssen zum Thema „Wachstum“ gestellt werden?

  1. Wachstum von was und weshalb und von wem?
  2. Wer bezahlt dafür und wie lange kann es anhalten?
  3. Welche Kosten entstehen dadurch für den Planeten und wann ist es genug?

DER PRAXISNACHWEIS DER BEACHTUNG VON GRUNDSÄTZEN DER GWÖ

Diese 3 Fragen zum gemeinwohlorientierten Handeln können Unternehmen und Gemeinden seit 2011 geprüft nachweisen. Der unbestechliche Nachweis: Die zertifizierte Gemeinwohl-Bilanz (GWB)

WAS BEINHALTET DIE GEMEINWOHL-BILANZ?

Die Gemeinwohl-Bilanz verknüpft Werte mit den Berührungs-Gruppen von Unternehmen und Gemeinden!

DIE GRUND-WERTE DER GEMEINWOHL-BILANZ (GWB)

  • Menschenwürde
  • Solidarität & Gerechtigkeit
  • Ökologische Nachhaltigkeit
  • Transparenz & Mitentscheidung
    (= Die x-Achse der Bilanz) Ohne Beachtung dieser Werte hat die Gesellschaft keine gute Zukunft!
    DIE BERÜHRUNGSGRUPPEN DIE MIT DEN WERTEN DER GWB VERKNÜPFT SIND
  • LieferantInnen
  • EigentümerInnen & Finanz-Partner
  • Mitarbeitende
  • KundInnen, Mitunternehmen
  • Gesellschaftliches Umfeld (= Region, Souverän, zukünftige Generationen, Zivilgesellschaften, Mitmenschen und Natur)
    (= Die y-Achse der Bilanz)

DIE GWÖ – KEIN WUNSCHDENKEN SONDERN REALITÄT

Die 2011 gestartete GWÖ-Vision versteht sich als ergebnisoffene, partizipative, lokal wachsende Graswurzelbewegung, die sich immer mehr verbreitet, sogar weltweit – Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika sowie seit 2019 auch in Afrika (Elfenbeinküste, Ghana und Kenia)

  • Aktuell 11 000 UnterstützerInnen
  • Mehr als 2000 Aktive in über 100 Regionalgruppen und 30 Fördervereinen
  • 500 bilanzierende Unternehmen u. Organisationen (Gemeinwohl-Bilanz)
  • Knapp 60 Gemeinden und Städte
  • 200 Hochschulen

DIE GEMEINWOHL-ÖKONOMIE ALS EVOLUTIONÄRE WEITERENTWICKLUNG DER „SOZIALEN MARKTWIRTSCHAFT“

Die GWÖ ist nicht nur die Rückkehr vom aktuellen neoliberalen Modell zur Sozialen Marktwirtschaft der Ludwig-Erhard‘schen Prägung, sondern die evolutionäre Weiterentwicklung.
Die GWÖ ist nicht nur eine soziale, sondern auch eine ökologische, humane, solidarische und demokratische, also eine vollethische Marktwirtschaft.
Die GWÖ ist eine wirklich liberale Marktwirtschaft, in der Bedeutung, dass alle Menschen die tatsächlich gleichen Rechte, Chancen und Freiheiten genießen sollen.

DIE GEMEINWOHL-ÖKONOMIE WIRD KOMMEN!

Warum? – Ganz einfach: Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist! (Victor Hugo)

Präsentation der Ergebnisse des Workshops

Günter Grzega: Finanz- und Geldwirtschaft ohne Wachstum

Was war uns im Workshop wichtig:

  • Einführung Geldsystem im Allgemeinen (vgl. Präsentation)
  • Wie entsteht Geld? Schulden = Vermögen
  • Geldschöpfung aus dem Nichts
  • Zentralbankgeld – Bankengeld
  • Macht der weltweiten Finanzkonzerne
  • Neuregulierung der Banken und Finanzmärkte
  • Staatsschulden – ein Risiko?
  • Theorie des modernen Geldsystems-→ Modern Monetary Theory (MMT)
  • Gemeinwohlökonomie als Lösungsansatz zur Überwindung des Neoliberalismus und des Wachstumszwangs

Fragen:

  • Wie lösen wir die Verteilungsfrage?
  • Wer entscheidet über die Wachstumsgrenzen?

Impulse und Forderungen:

  • Finanz- und Geldwirtschaft wachsen auf Grund von realwirtschaftlichem Wachstum und auf Grund von Finanzmarkt-Aktionen
  • Re-Regulierung der Finanzmärkte
  • Staatsfinanzierung als Regulator
  • MMT als evolutionäre Weiterentwicklung
  • Gemeinwohl-Ökonomie als Gegenentwurf zum Neoliberalismus
  • Wachstumstreiber ist die Gier nach Geld, d.h. Wachstumszwang kommt durch die systematische Instrumentalisierung aller Player in Richtung Geldwachstum

Widerspruch: Es wird behauptet: Die Nachfrage sei das Entscheidende. Das hieße doch, die Finanzwirtschaft macht sich zum Diener der Nachfrage? – Das ist kaum nachvollziehbar!

Antwort: Marketingfirmen wecken Bedürfnisse, müssen aber selbst wieder Kapital haben

  • Keine Schuldzuweisungen an Geld für Wachstumszwang. Es liegt an uns und unserem Denken, weil wir immer mehr Geld haben wollen
    Angebote von Konsumentenkrediten: Verführung zum Geldaufnehmen = Schuldenmachen = Geldschöpfen.
  • Banken können erst Geld schöpfen, wenn einer einen Kredit will

Vorschlag: Islamic Banking als Idee, um Derivate etc. in Frage zu stellen! Das könnten wir sofort einführen: Die Frage ist: Nennen wir es Zinsen oder Gebühren?

  • Globale Anwendbarkeit eines neuen Verständnisses
  • Politisch-gesellschaftliche Frage: Staat muss die Regeln setzen

Verteilungsfrage: Es ist das Problem, dass immer mehr immer weniger bekommen und immer weniger immer mehr!

Frage: Was haben wir überhaupt zu verteilen? – Wenn wir weg wollen vom Wachstum, müssen wir den Kuchen verkleinern

  • Grenzen des Wachstums: beim Verbrauch von Ressourcen müssen Grenzen gezogen werden.
  • Wir brauchen einen Deckel: Ressourcenwährung als Zweitwährung

Wer entscheidet über die Wachstumsgrenzen? Wer definiert das? – Wer‘s durchsetzt, das ist die Politik

Frage aber z.B. bei Dienstleistungen bezüglich der Grenzen des Wachstums: Ist dann auch Schluss mit den Dienstleistungen? Das muss gesamtwirtschaftlich gedacht werden.

Für die Energiewende notwendige Investitionen müssen getätigt werden.